Fallstudie

An dieser Stelle präsentieren wir Ihnen im Rahmen einer Fallstudie, wie ein sehr umfangreiches Projekt ausgeführt und verwaltet wird. Sie erhalten einen Einblick in die Vorgehensweise und die Abläufe bei der Lokalisierung einer Software.

22. Mai 2008

Wir erhalten eine Anfrage von einem Kunden, der die Aktualisierung einer Mediensteuerungssoftware für Mitte/Ende September 2008 plant und hierfür eine lokalisierte deutsche Fassung benötigt. Es handelt sich um einen Sprung auf die nächste ganzzahlige Version (6.0); die Anforderungen sind entsprechend hoch. Die folgenden Aufgaben sind zu erledigen:

Das allgemeine Handling des Projekt erfolgt durch den Localization Manager des Kundenunternehmens in den Vereinigten Staaten, der diese Aufgabe für fünf Sprachen durchführt. Beim Telefonat lernt man sich kennen (der Localization Manager hat diese Aufgabe erst unlängst übernommen) und bespricht Details. Der gesamte Datenaustausch erfolgt über das Internet (FTP, E-Mail).

26. Mai 2008

Es treffen die ersten Dateien ein. Das Paket umfasst neben den ersten Dokumentationstexten und zugehörigen PDF-Dateien eine TM-Datei mit knapp 47.000 Legacy-Segmenten (ca. 520.000 Wörter), d.h. bereits übersetzten Texteinheiten, die meistens in Form einzelner Sätze vorliegen. In den folgenden Wochen bis Mitte Juni werden parallel die ersten Texte (18.000 Wörter) übersetzt und die Altübersetzungen geprüft.

Zur Übersetzung wird ein TMS namens »Trados« eingesetzt. Wir nutzen dieses System seit Jahren – insbesondere, um bereits vorhandene Übersetzungen wiederverwenden zu können und die Konsistenz zu maximieren. Ein weiterer Grund ist die Unterstützung von Dateiformaten teurer DTP-Programme wie FrameMaker, InDesign oder QuarkXPress.

16. Juni 2008

Wir erhalten die erste Version einer Beschriftungsdatei, die Elemente der grafischen Benutzeroberfläche des Programms enthält: Schaltflächen, Menüelemente, Dialogfelder usw. Zur Bearbeitung verwenden wir die spezialisierte Lokalisierungssoftware Alchemy Catalyst.

24. Juni 2008

Die parallel zur Übersetzung durchgeführte Durchsicht der aus früheren Softwareversionen bereits vorhandenen Übersetzungssegmente ist abgeschlossen. Die Qualität der Übersetzung konnte auf diese Weise erheblich gesteigert und die Konsistenz verbessert werden: Fehler wurden beseitigt, Termini vereinheitlicht und Kulturspezifika angepasst.

Juli/August 2008

Die Arbeiten an der Lokalisierung der Dokumentation sind im vollen Gange – am Ende werden etwa 142.000 neue Wörter übersetzt worden sein. Zu beachten ist dabei, dass aus den von uns übersetzten Dateien sowohl das Handbuch als auch die Hilfedatei generiert werden wird. Dies stellt erhöhte Anforderungen an den eigentlichen Übersetzungsvorgang.


Alle paar Tage erhalten wir aktualisierte Fassungen der Benutzeroberfläche, da die Übersetzung bereits erfolgt, obwohl die Entwicklung noch nicht abgeschlossen ist – heutzutage ist dies fast schon als Normalfall zu bezeichnen. Auf sich warten lässt bedauerlicherweise auch die Fertigstellung der endgültigen Version der Bedienhardware; diese wird extern entwickelt, weswegen der Kunde auf die Verzögerung keinen Einfluss hat.

12. August 2008

Der Kunde hat von seinem Lieferanten die Freigabe für die Bedienhardware erhalten und leitet die Dokumentation an uns weiter. Die Arbeit beginnt umgehend und wird in Rekordzeit fertig gestellt. Unmittelbar darauf folgen Arbeiten an der Dokumentation zu den Plugins, die sich zum Teil noch in Entwicklung befinden.

Der Freigabetermin für das Endprodukt wird für den 22. September festgelegt.

28. August 2008

Die Arbeiten an der Dokumentation sind nun im Großen und Ganzen abgeschlossen; Nachzügler treten allerdings noch bis zum endgültigen Abschluss aller Arbeiten auf. Alle nun folgenden Texte haben jedoch zunehmend werbenden (statt technisch-beschreibenden) Charakter.

Wir erhalten vom Kunden Texte und ein Layout für die Verpackung der Software. Die Verpackungsbeschriftung wird lokalisiert und geht verbunden mit zwei Hinweisen auf kulturspezifische Probleme, die sich aus dem Layout der Verpackung ergeben könnten, zurück in die Staaten.

1. September 2008

Der Kunde schickt die Websites im ASP-Format. Die Bearbeitung erfolgt wieder mit dem TMS, das getaggte Texte aller Art verarbeiten kann. Eile ist geboten, da die Veröffentlichung des Produkts aufgrund von Marktentwicklungen auf den 8. September vorverlegt wurde. In Absprache mit dem Kunden wird für die laufende Woche Nachtarbeit eingeplant – kein Einzelfall.

4. September 2008

Die Produktwebsite wird uns zur Begutachtung vorgelegt: Nach geringfügigen Korrekturen und Änderungen wird die Seite freigegeben.

5. September 2008

Der Kunde meldet, dass alle Arbeiten abgeschlossen sind: Die Software wurde bereits an die Fachhändler ausgeliefert und wird in drei Tagen in den Handel kommen. Die Website muss nur noch freigeschaltet werden. Gleichzeitig wird bereits angefragt, ob in 14 Tagen Kapazitäten für das erste Update (6.0.1) verfügbar sind – man weiß ja nie.